Wenn Schlaf, Energie und Stimmung aus dem Gleichgewicht geraten
Vielleicht kennen Sie das:
Sie schlafen schlechter als früher, fühlen sich weniger belastbar oder haben das Gefühl, nicht mehr richtig in Ihrer Kraft zu sein.
Manche Frauen berichten über innere Unruhe, Stimmungsschwankungen oder Konzentrationsprobleme. Andere kämpfen mit Gewichtszunahme, Hitzewallungen oder dem Gefühl, sich selbst nicht mehr ganz wiederzuerkennen.
Auch Beschwerden wie PMS oder PMDS können darauf hinweisen, dass das hormonelle Gleichgewicht aus dem Takt geraten ist.
Typische Beschwerden sind beispielsweise:
- Schlafstörungen
- Erschöpfung und Energiemangel
- Stimmungsschwankungen
- innere Unruhe
- Konzentrationsprobleme
- Gewichtszunahme
- verminderte Belastbarkeit
- Hitzewallungen
- PMS oder PMDS
Nicht jede Frau erlebt diese Beschwerden gleich – und nicht jede Ursache ist automatisch hormoneller Natur.
Gerade deshalb ist mir eine sorgfältige Diagnostik wichtig. Denn bevor behandelt wird, sollte möglichst klar sein, welche Faktoren tatsächlich zu Ihren Beschwerden beitragen.
Die wichtigsten Hormone der Frau
Östrogen, Progesteron, Testosteron und DHEA werden häufig als „Sexualhormone“ bezeichnet.
Der Begriff ist eigentlich etwas irreführend. Denn diese Hormone sind nicht nur für Fruchtbarkeit und Fortpflanzung zuständig, sondern beeinflussen zahlreiche Abläufe im gesamten Körper.
Ihre Bedeutung für Schlaf, Stimmung, Energie, Belastbarkeit, Stoffwechsel und Wohlbefinden wird häufig unterschätzt.
Besonders in den Jahren vor und während der Wechseljahre können Veränderungen einzelner Hormone spürbar werden.
Östrogen – das Yang-Hormon
Östrogen steht eher für Aktivität, Energie und Leistungsfähigkeit. Es beeinflusst unter anderem:
- geistige Klarheit und Konzentration
- Haut und Schleimhäute
- Knochen- und Gefäßgesundheit
- Fett- und Zuckerstoffwechsel
- körperliche und geistige Leistungsfähigkeit
Progesteron – das Yin-Hormon
Progesteron wird häufig mit Ruhe, Regeneration und innerer Stabilität in Verbindung gebracht. Es unterstützt unter anderem:
- einen erholsamen Schlaf
- Regeneration und Erholung
- Gelassenheit im Alltag
- Stressstabilität und emotionale Ausgeglichenheit
Wenn Ihr Progesteronspiegel sinkt, kann sich dies beispielsweise durch Schlafstörungen, innere Unruhe oder eine verminderte Belastbarkeit bemerkbar machen.
Testosteron – Kraft und Zielstrebigkeit
Auch für uns Frauen ist Testosteron wichtig. Es kann unter anderem Einfluss haben auf:
- Muskelkraft und Muskelspannung
- Antrieb und Motivation
- Belastbarkeit im Alltag
- Libido und sexuelles Wohlbefinden
Sinkende Testosteronspiegel können sich beispielsweise durch nachlassende Energie, reduzierte Belastbarkeit oder eine verminderte Libido bemerkbar machen.
DHEA – eine Hormonvorstufe
DHEA (Dehydroepiandrosteron) wird überwiegend in den Nebennieren gebildet und dient dem Körper als Ausgangssubstanz für die Bildung weiterer Hormone.
Es spielt unter anderem eine Rolle für:
- Energie und Vitalität
- körperliche Belastbarkeit
- Regeneration
- die körpereigene Hormonproduktion
Auch DHEA kann im Rahmen einer erweiterten Hormondiagnostik sinnvoll sein und wird bei Bedarf in die Therapieüberlegungen einbezogen.
Warum Beschwerden oft schon vor den eigentlichen Wechseljahren beginnen
Vielleicht haben Sie schon einmal den Satz gehört:
„Für die Wechseljahre sind Sie eigentlich noch zu jung.“
Tatsächlich können sich hormonelle Veränderungen bereits deutlich vor den eigentlichen Wechseljahren bemerkbar machen.
Besonders der Progesteronspiegel sinkt bei vielen Frauen ab Mitte 30 bis Anfang 40 schrittweise ab, während die Östrogenspiegel zunächst häufig noch relativ stabil bleiben.
Im Fachjargon sprechen wir von einer relativen Östrogendominanz.
Hinzu kommt, dass viele Frauen heute über Jahre hinweg hohen beruflichen, familiären und emotionalen Belastungen ausgesetzt sind.
Dauerhafter Stress beeinflusst nicht nur das vegetative Nervensystem, sondern auch hormonelle Regelkreise und die Fähigkeit des Körpers zur Regeneration.
Beruf, Familie, Kinder, pflegebedürftige Angehörige, Schlafmangel oder die ständige Erreichbarkeit im Alltag können dazu beitragen, dass hormonelle Veränderungen früher oder stärker wahrgenommen werden.
Gerade in dieser Lebensphase treffen häufig mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig aufeinander.
Diese hormonelle Verschiebung kann dazu beitragen, dass Schlaf, Stimmung und Stressverarbeitung aus dem Gleichgewicht geraten.
Mögliche Hinweise können sein:
- Schlafstörungen
- innere Unruhe
- emotionale Dünnhäutigkeit
- Reizbarkeit
- verminderte Stressresistenz
- Zyklusveränderungen
Vielleicht kennen Sie auch Herzklopfen, Schweißausbrüche, Konzentrationsprobleme oder das Gefühl, neben sich zu stehen. Manche Frauen berichten, dass sie sich selbst nicht mehr so gelassen, belastbar oder ausgeglichen erleben wie früher.
Auch das Prämenstruelle Syndrom (PMS) kann durch ein hormonelles Ungleichgewicht mitbedingt sein.
Stehen dabei vor allem Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, innere Anspannung oder depressive Verstimmungen im Vordergrund, sprechen Fachleute von einer Prämenstruellen Dysphorischen Störung (PMDS).
Wichtig ist mir an dieser Stelle ein anderer Punkt:
Nicht jede Frau mit Schlafstörungen, Erschöpfung oder Stimmungsschwankungen benötigt automatisch Hormone.
In meiner Praxis für ganzheitliche Medizin betrachte ich hormonelle Veränderungen als einen möglichen Baustein von vielen. Deshalb nehme ich mir zunächst Zeit für eine sorgfältige Anamnese und betrachte Ihre Beschwerden im Zusammenhang mit Ihrer Lebenssituation, Ihrem Stressniveau, Ihrer Ernährung, Ihrem Schlaf und möglichen weiteren Einflussfaktoren.
Oft ergeben sich bereits im Gespräch wichtige Hinweise darauf, welche Faktoren zu Ihren Beschwerden beitragen könnten und welche Diagnostik tatsächlich sinnvoll ist.
Denn bevor behandelt wird, sollte möglichst klar sein, was hinter den Beschwerden steckt.
Bioidentische Hormone – individuell dosiert
Wenn eine hormonelle Unterstützung sinnvoll erscheint, arbeite ich bevorzugt mit bioidentischen Hormonen.
Dabei handelt es sich um Hormone, die in ihrer Struktur den körpereigenen Hormonen entsprechen. Verwendet werden beispielsweise bioidentisches Estradiol und Progesteron, deren Ausgangssubstanz Diosgenin aus der Yamswurzel ist.
Im Pharmalabor wird diese Ausgangssubstanz so verarbeitet, dass körperidentische und gut bioverfügbare Hormone entstehen.
Zum Einsatz kommen dabei häufig bewährte Fertigpräparate wie beispielsweise Utrogest®, Famenita® oder Gynokadin®.
Je nach individueller Situation können jedoch auch individuelle Rezepturen sinnvoll sein. Diese werden von darauf spezialisierten Apotheken nach ärztlicher Verordnung hergestellt.
Dadurch lassen sich individuelle Dosierungen realisieren oder bestimmte Hilfsstoffe vermeiden. Manche Patientinnen wünschen sich zudem Rezepturen ohne umstrittene Zusatzstoffe wie Titandioxid.
Auch bei der Anwendung über die Haut gibt es verschiedene Möglichkeiten. Je nach Hautbeschaffenheit, Verträglichkeit und persönlichen Vorlieben können unterschiedliche Gel- oder Cremegrundlagen verwendet werden.
Gemeinsam entscheiden wir über Dosierung, Darreichungsform sowie geeignete Fertigpräparate oder individuelle Rezepturen.
Mein Grundsatz lautet dabei immer:
So viel wie nötig – und so wenig wie möglich.
Ziel ist nicht eine möglichst hohe Dosierung, sondern eine individuell angepasste Behandlung, die zu Ihrer persönlichen Situation passt.
Zeit, Sorgfalt und Sicherheit
Eine hormonelle Begleitung braucht Zeit, Erfahrung und einen geschützten Rahmen.
Gerade bei hormonellen Fragestellungen entstehen viele wichtige Informationen im persönlichen Gespräch. Deshalb reicht ein kurzer Routinekontakt oft nicht aus.
In meiner Praxis nehme ich mir bewusst Zeit für eine ausführliche Anamnese, die sorgfältige Abwägung möglicher Kontraindikationen und eine verständliche Aufklärung.
Die bioidentische Hormontherapie ist deshalb bei mir keine 5-Minuten-Entscheidung, sondern Teil einer strukturierten ärztlichen Begleitung, bei der Ihre individuelle Situation, die Sicherheit der Behandlung und der weitere Verlauf im Mittelpunkt stehen.
Zu einer sicheren Behandlung gehören unter anderem:
- regelmäßige Verlaufskontrollen
- Laborkontrollen
- eine individuelle Anpassung der Dosierung
Gemeinsam entscheiden wir, welche Hormone, welche Dosierung und welche Darreichungsform für Sie sinnvoll sind.
Denn nicht jede Frau benötigt die gleichen Hormone, die gleiche Dosierung oder den gleichen Behandlungsweg.
Die routinemäßigen Vorsorgeuntersuchungen erfolgen weiterhin bei Ihrer Frauenärztin bzw. Ihrem Frauenarzt.
Die hormonelle Diagnostik, ausführliche Beratung und individuelle Verlaufsbegleitung sind ein Schwerpunkt meiner Praxis und können bei Bedarf ergänzend erfolgen.
Bei sehr komplexen hormonellen Fragestellungen kann eine zusätzliche Abklärung bei entsprechend spezialisierten gynäkologischen Endokrinologinnen und Endokrinologen sinnvoll sein.
Schilddrüse und Hormone
Hormonelle Beschwerden und Schilddrüsenerkrankungen beeinflussen sich häufig gegenseitig.
Wenn bei Ihnen eine Schilddrüsenunterfunktion oder Hashimoto-Thyreoiditis besteht, lohnt sich deshalb oft ein Blick auf beide Bereiche.
👉 Mehr dazu erfahren Sie in meinem Beitrag:
„Hashimoto – wenn TSH nicht alles erklärt“